Standesamtliche Trauung – so heiratet Ihr rechtskräftig

Ihr möchtet Eure Liebe auch gegenüber dem Staat ganz offiziell besiegeln? Dann ist es Zeit, die standesamtliche Trauung zu organisieren. Sie bildet sozusagen das rechtliche Fundament für Euer gemeinsames Leben als Ehepaar. Damit eine standesamtliche Hochzeit möglich ist, müsst Ihr verschiedene Dinge beachten bzw. im Voraus organisieren.

Allein Ich will!

Bedeutung der standesamtlichen Trauung

Die standesamtliche Trauung ist in Deutschland ein Akt, um vom Staat verschiedene Rechte zu erwerben, etwa den besonderen Schutz der aus der Ehe hervorgehenden Kinder, eine günstigere Steuerklasse oder das Recht auf Unterhalt, sollte die geschlossene Ehe scheitern. Viele Paare heiraten heute ausschließlich standesamtlich oder in Kombination mit einer freien Trauung. Natürlich ist auch eine kirchliche Trauung möglich, für eine solche müsst Ihr allerdings vorher die standesamtliche Trauung vollzogen haben und in der Lage sein, dem evangelischen oder katholischen Geistlichen vor der kirchlichen Zeremonie die Heiratsurkunde vorzulegen. Auch daran wird deutlich, dass die Vermählung auf dem Standesamt der eigentlich rechtsgültige, staatliche Akt ist. Ihr habt also folgende Kombinationsmöglichkeiten:

  • nur standesamtliche Trauung (ohne kirchliche bzw. freie Trauung rechtsgültig)
  • standesamtliche plus kirchliche Trauung (katholisch, evangelisch, ökumenisch)
  • standesamtliche plus freie Trauung (rechtskräftig durch standesamtliche Trauung)
  • nur freie Trauung (keine staatlich rechtsgültige Ehe)

Wenn Ihr also auch gegenüber dem Staat als verheiratet gelten möchtet, geht an der standesamtlichen Trauung kein Weg vorbei. Für diese ist immer das Standesamt Eures Wohnortes zuständig, es besteht aber auch die Möglichkeit, ein anderes Standesamt zu wählen.

Voraussetzungen für eine standesamtliche Trauung

Um die Ehe durch eine standesamtliche Trauung auf eine rechtliche Basis stellen zu können, müsst ihr einige Bedingungen erfüllen. Dazu gehört etwa, dass:

  • ihr volljährig seid (Vollendung des 18. Lebensjahrs ist seit Juli 2017 vorgeschrieben)
  • die standesamtliche Trauung rechtzeitig angemeldet wird (frühestens 6 Monate vor dem Termin)
  • ihr bei der Anmeldung beide persönlich anwesend seid (in Ausnahmefällen mit schriftlicher Vollmacht)
  • keiner von Euch noch rechtskräftig verheiratet ist
  • alle notwendigen Unterlagen vorliegen

Manchmal ist einer von Euch nicht in der Lage, bei der Anmeldung anwesend zu sein (etwa durch Krankheit oder beruflich bedingtem Auslandsaufenthalt). In solchen Fällen könnt Ihr Eurem Partner eine schriftliche Vollmacht ausstellen. Für eine standesamtliche Trauung dürft Ihr nicht bereits verheiratet sein bzw. müsst nachweisen können, dass die Scheidung rechtskräftig ist. Ein wichtiger Aspekt für die standesamtliche Trauung ist die sogenannte Ehemündigkeit, die erst bei Volljährigkeit beider Partner vorliegt. Das Verbot einer solchen Eheschließung mit einem minderjährigen Partner gilt auch, wenn nach ausländischer Rechtsprechung eine Ehemündigkeit vorliegt. Darüber hinaus dürfen auch keine religiös oder traditionell begründete Handlungen vorgenommen werden, welche eine Ehe-gleiche Verbindung mit einem nicht volljährigen Partner zum Ziel haben.

Wichtiger Hinweis: Diese Nachweispflicht der vollzogenen Scheidung gilt allerdings nur für die staatliche Eheschließung, nicht für die kirchliche Ehe. War einer von Euch früher beispielsweise durch eine katholische Trauung verheiratet und hat die staatlich geschlossene Ehe durch Scheidungsurteil beendet, kann er zwar wieder standesamtlich heiraten, gilt aber aufgrund der Unauflöslichkeit der katholischen Ehe noch als verheiratet. Um auch die katholisch geschlossene Ehe annullieren zu lassen, ist das Urteil eines kirchlichen Gerichts notwendig. Erst wenn ein solches vorliegt, darfst du als Katholik ein weiteres Mal in Form einer standesamtlichen und kirchlichen Trauung heiraten. Viele katholisch Getraute lassen sich, aufgrund des komplizierten, katholischen Annullierungsverfahrens und der als überholt angesehenen Moralvorstellungen der römisch-katholischen Kirche, nur nach staatlichem Recht scheiden und vermählen sich beim zweiten Mal nur durch die standesamtliche Trauung.

Standesämter sind nicht immer der romantischste Ort

Welche Unterlagen für die standesamtliche Hochzeit benötigt werden

Wie bei jedem offiziellen Vorgang, so benötigt Ihr auch für die standesamtliche Hochzeit bestimmte Unterlagen, die Ihr bereits bei der Anmeldung zur Trauung vorlegen müsst. Folgende Dokumente solltet Ihr frühzeitig besorgen:

  • erweiterte Geburtsurkunde bzw. beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister
  • gültiger Personalausweis bzw. Reisepass
  • amtliche Meldebescheinigung zum Wohnort
  • sogenannte Personenstandsurkunde (wenn die Eheschließung der Eltern nach dem 31.12.1957 stattfand)
  • Abstammungsurkunde (falls die Eheschließung Eurer Eltern nach dem 31. Dezember 1957 bzw. in den zur DDR gehörenden Gebieten vor dem 03. Oktober 1990 stattgefunden hat)
  • die Geburtsurkunden aller bereits vorhandenen, gemeinsamen Kinder
  • die Heirats- und Scheidungsurkunde bzw. beglaubigte Abschrift aus dem Eheregister
  • die Aufenthaltsgenehmigung sowie ein Nachweis der Staatsangehörigkeit (wenn einer der Partner kein deutscher Staatsbürger ist)
  • die Diplom- und/oder Promotionsurkunde (nicht zwingend notwendig)

Nur, wenn alle Unterlagen vorliegen, könnt Ihr Euch für die standesamtliche Trauung anmelde und mit dem Sachbearbeiter des Standesamtes einen Termin ausmachen.

Kosten einer standesamtlichen Trauung

Die Anmeldung zur standesamtlichen Trauung sowie die Ausfertigung verschiedener Dokumente verursachen natürlich Kosten. Für die Anmeldung selbst müsst Ihr in der Regel mit 40 Euro rechnen. Hinzu kommen beispielsweise Kosten für:

  • Verwaltungsaufwand = 20 Euro
  • Prüfung der Ehevoraussetzungen = 50 Euro
  • Familienstammbuch = 25 Euro
  • Eidesstattliche Versicherung = 25 Euro
  • Urkundenbescheinigung = 20 Euro

Darüber hinaus fallen Kosten an, wenn Ihr eine Außenstelle des Standesamtes für die Trauung wünscht (z. B. ein zur Gemeinde bzw. Stadt gehörendes Schloss) oder falls Ihr an einem bestimmten Datum oder zu einer speziellen Uhrzeit heiraten möchtet. Wenn Ihr also dem oft relativ tristen Trauzimmer im Standesamt entgehen möchtet, erkundigt Euch vorsorglich, ob es solche besonderen Räumlichkeiten im Zuständigkeitsbereich des Standesamtes gibt.

Auch ein Sektempfang nach der Zeremonie oder ein beauftragter Fotograf verursachen weitere Kosten. Welche Ausgaben für die Trauung selbst auf Euch zukommen, könnt Ihr in der Regel während des Gesprächs bei der Anmeldung klären. Wie hoch diese sind, hängt vom zuständigen Standesamt ab, denn seit 2009 sind die Gebühren nicht mehr einheitlich geregelt und unterscheiden sich in der Höhe.

Der Standesbeamte – die standesamtliche Trauung planen

In der Vorbereitung Eurer Hochzeit ist es wichtig, dass Ihr mit dem Standesbeamten Kontakt aufnehmt und versucht, mit ihm Absprachen zu treffen. Die standesamtliche Trauung ist aufgrund von zahlreichen heiratswilligen Paaren normalerweise auf 20 bis 30 Minuten begrenzt, so dass für persönliche Wünsche nicht sehr viel Zeit bleibt. Nicht alle Standesbeamte bieten vorherige Gesprächstermine an. Trotzdem solltet Ihr versuchen, ihn zumindest schriftlich oder telefonisch zu erreichen. Dann könnt Ihr z. B. die folgenden Themen ansprechen:

  • Möchte er persönliche Informationen für seine Ansprache?
  • Berücksichtigt er Wünsche bezüglich der Anrede?
  • Sind Ringtausch, persönliche Treueversprechen und Kuss erlaubt?
  • Ist Musik gestattet und wenn ja, wie viele Lieder und in welcher Form?
  • Wann kommen die Trauzeugen zum Einsatz?
  • Darf außer dem Standesbeamten jemand etwas sagen?
  • Darf das Trauzimmer vorher besichtigt werden?
  • Wie viele Gäste haben bei der Trauung Platz?

Versucht im Vorfeld, solche oder ähnliche Fragen mit dem Beamten zu klären. So wird die standesamtliche Hochzeit zu einem persönlichen Geschehen und ist nicht einfach nur ein bürokratischer Akt.

Zeitpunkt für eine standesamtliche Hochzeit

Für viele Paare hat ein bestimmter Tag eine besondere Bedeutung und daher versuchen sie, an einem speziellen Datum zu heiraten. Das kann der Tag des Kennenlernens oder der Tag des Heiratsantragesebenso sein, wie der Geburtstag der Braut oder des Bräutigams. Auch Tage wie der 01.01.2001, der 12.12.2012 oder der 21.02.2021 waren bzw. sind besonders beliebt und daher gut gebucht. Ihr dürft zwar die standesamtliche Trauung frühestens sechs Monate vor dem gewünschten Termin beantragen, trotzdem solltet Ihr Euch eventuell einen Ausweichtermin überlegen, falls die Trauung an dem von Euch favorisierten Tag nicht möglich ist. Je mehr Termine Ihr Euch überlegt, desto einfacher wird es, die standesamtliche Trauung durchzuführen. Bezüglich der Uhrzeit habt Ihr ebenfalls die Möglichkeit, einen Termin zu wählen, der von den Standard-Uhrzeiten abweicht. Allerdings werden dafür zusätzliche Gebühren fällig. 

.. aber schöne Standesamt Locations findet man immer mehr

Trauzeugen für die standesamtliche Hochzeit?

Bis 1998 waren Trauzeugen für die standesamtliche Trauung verpflichtend vorgeschrieben. Heute müsst Ihr keine Trauzeugen mehr benennen, habt aber prinzipiell die Freiheit, Eure Trauung durch zwei Personen bezeugen zu lassen. In diesem Fall müssten die Trauzeugen aber volljährig sein, einen gültigen Personalausweis mitbringen und die deutsche Sprache beherrschen. Letzteres ist notwendig, da sie den Inhalt des amtlichen Dokuments, welches sie unterzeichnen, auch verstehen sollten. Im Gegensatz zur standesamtlichen Trauung sind für die katholische Trauung zwei Trauzeugen vorgeschrieben. Die evangelische Kirche orientiert sich am staatlichen Handeln und verlangt daher keine Trauzeugen.

Wie läuft eine standesamtliche Trauung ab?

Euch auf dem Standesamt das Ja-Wort zu geben, ist eine sehr sachlich-kühle Zeremonie, für die oft nur etwa 20 Minuten Zeit bleibt. Die Trauung folgt dabei meist einem einheitlichen Schema:

  • Begrüßung durch den Standesbeamten
  • Feststellung Eurer Personalien und der Eurer Trauzeugen durch den Standesbeamten
  • Traurede bzw. Anspreche des Beamten
  • Frage nach der Bereitschaft zur Eheschließung, Ehekonsenserklärung und Erklärung des Beamten, dass die Ehe offiziell geschlossen ist
  • Tausch der Trauringe, persönliches Eheversprechen und Kuss (auf Wunsch)
  • Verlesung des Protokolls der Trauung durch den Standesbeamten
  • Unterschrift des Protokolls bzw. der Heiratsurkunde durch Euch und die Trauzeugen
  • Glückwünsche des Standesbeamten und Verabschiedung

Die musikalische Umrahmung oder der Einbau von verlesenen Texten sind meist auf den Beginn und das Ende der standesamtlichen Trauung beschränkt. Hier kommt es sehr auf den Standesbeamten an, denn er entscheidet letztlich, was möglich ist und was nicht. Zum Einsatz kommen meist Stücke vom Band, selten ist Zeit für eine Live-Performance durch einen Solisten.

Fotos oder Videoaufnahmen der standesamtlichen Zeremonie

Da es sich bei der standesamtlichen Trauung eher um einen meist sehr kurzen und formalen Akt handelt, beauftragen viele Paare keinen Fotografen, sondern lassen Verwandte oder Freunde Fotos oder Filmaufnahmen machen. Übrigens ist es sinnvoll, im Vorfeld mit dem Standesbeamten zu klären, in welchem Umfang er solche Aufnahmen bewilligt. Auf diese Weise wird er nicht überrascht und kann sich darauf einstellen, dass man ihn fotografiert. Wer weiß, vielleicht legt er extra eine besonders schöne Krawatte oder Fliege an. Falls Ihr Euch ebenso entscheidet, lasst Euch alle Bilder und Videos des Tages später schicken. So geht kein Augenblick verloren und auch die standesamtliche Hochzeit findet in Eurem Hochzeitsalbum einen angemessenen Platz.

Standesamtliche Trauung – immer ein bisschen mehr als nur formaler Akt

Obwohl für Euch die freie Trauung oder eine kirchliche Trauung vielleicht wesentlich größere Bedeutung hat und Euch emotionaler sehr viel stärker berührt, so bleibt die standesamtliche Hochzeit doch die Grundlage für Eurer gemeinsames Leben als Ehepaar. Schon aus diesem Grund ist es sinnvoll, wenn Ihr die Zeremonie beim Standesamt in Eurer Gesamtkonzept für den Hochzeitstag möglichst gut mit einbettet. Sehr die Trauung einfach als ersten, wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem rundum gelungenen und glücklichen Tag an, dann wird die standesamtliche Hochzeit für Euch zu einem zwar kleinen, aber wichtigen Baustein eines ganzheitlichen Geschehens, durch das Ihr der Welt Eure Liebe zeigt.